Die erste Zeugin der Auferstehung

Maria von Bethanien

Wer war Maria von Bethanien?

Maria von Bethanien war die Schwester von Martha und Lazarus. Die drei Geschwister lebten in Bethanien, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem, und waren eng mit Jesus verbunden. 

Maria begegnet uns in drei besonderen Situationen: Sie sitzt zu Jesu Füßen und hört ihm zu, sie trauert um ihren verstorbenen Bruder und sie salbt Jesus kurz vor seinem Tod mit kostbarem Öl. In allen drei Erzählungen sucht sie die Nähe Jesu. Sie hört auf seine Worte, bringt ihm ihren Schmerz und zeigt ihm ihre Liebe auf außergewöhnlich großzügige Weise.

Was bedeutet der Name Maria?

Der Name Maria war zur Zeit Jesu weit verbreitet. Er geht auf den hebräischen Namen Mirjam zurück. Seine genaue Bedeutung ist nicht eindeutig geklärt. Häufig wird der Name mit „die Geliebte“, „die Bittere“ oder „die von Gott Geliebte“ in Verbindung gebracht.

Der Zusatz „von Bethanien“ unterscheidet Maria von den anderen Frauen namens Maria im Neuen Testament. Bethanien lag nahe bei Jerusalem und war der Wohnort von Maria, Martha und Lazarus.

die geschichte von Maria von Bethanien in der Bibel

Maria von Bethanien sitzt zu Jesu Füßen

Zum ersten Mal begegnet uns Maria in einer Erzählung des Lukasevangeliums. Jesus kommt in ein Dorf und wird von Martha in ihrem Haus aufgenommen. Während Martha damit beschäftigt ist, den Gast zu versorgen, setzt sich Maria zu Jesu Füßen und hört ihm zu. Martha fühlt sich mit der Arbeit allein gelassen. Schließlich wendet sie sich an Jesus und bittet ihn, Maria zum Helfen aufzufordern. Doch Jesus antwortet: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt.“

Maria hat erkannt, was in diesem Augenblick gerade wichtiger ist: Sie unterbricht alles andere und hört Jesus aufmerksam zu. Dabei nimmt sie die Haltung einer Schülerin ein. Sie sitzt zu seinen Füßen und lässt sich von ihm unterweisen. Jesus bestätigt ausdrücklich, dass ihr dieser Platz nicht genommen werden soll.

Maria trauert um ihren Bruder Lazarus

Im Johannesevangelium begegnet uns Maria in einer schweren Krise. Ihr Bruder Lazarus ist krank. Maria und Martha lassen Jesus die Nachricht überbringen, doch er kommt nicht sofort nach Bethanien. Lazarus stirbt und liegt bereits vier Tage im Grab, als Jesus eintrifft.

Martha geht Jesus entgegen, während Maria im Haus bleibt. Erst als Martha ihr sagt, dass Jesus da sei und nach ihr rufe, steht Maria auf und läuft zu ihm. Als sie Jesus sieht, fällt sie ihm zu Füßen. Sie sagt das Gleiche, was vorher schon Martha gesagt hat: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ 

Als Jesus sie und die anderen Menschen weinen sieht, ist er selbst tief bewegt. Er weint mit ihnen. Kurz darauf geht er zum Grab und ruft Lazarus ins Leben zurück.

Maria salbt Jesus mit kostbarem Öl

Sechs Tage vor dem Passafest ist Jesus erneut in Bethanien. Es wird ein Festessen für ihn vorbereitet. Martha bedient die Gäste, Lazarus sitzt mit Jesus am Tisch und Maria bringt ein Gefäß mit kostbarem Nardenöl. Sie salbt damit die Füße Jesu und trocknet sie mit ihren Haaren. Der Duft des Öls erfüllt das ganze Haus. Nardenöl ist zu dieser Zeit außerordentlich wertvoll. Judas, ein Jünger von Jesus, kritisiert deshalb Marias Handlung und fragt, warum man es nicht verkauft und das Geld den Armen gegeben habe.

Jesus nimmt Maria in Schutz. Er stellt ihre Handlung in den Zusammenhang mit seinem bevorstehenden Tod und seinem Begräbnis. Während viele Menschen um ihn herum noch nicht verstehen, was bald geschehen wird, bringt Maria ihre Liebe und Verehrung durch eine mutige und verschwenderisch wirkende Geste zum Ausdruck.

Sich Zeit nehmen für das, was wirklich zählt

Was können wir heute von Maria von Bethanien lernen?

Maria von Bethanien ist eine eher stille Frau, vor allem im Kontrast zu ihrer deutlich energischeren Schwester Martha. Dennoch zeigen ihre wenigen Auftritte eine bemerkenswerte Tiefe.

Immer wieder finden wir sie zu Jesu Füßen: als aufmerksame Zuhörerin, als trauernde Schwester und als Frau, die ihm ihre Liebe zeigt. Maria erinnert uns daran, dass Glaube nicht nur darin besteht, etwas für Gott zu tun. Er beginnt damit, bei ihm zu sein.

Die besondere Bedeutung von Innehalten und Zuhören

Unser Alltag ist häufig von Aufgaben, Nachrichten und Erwartungen bestimmt. So können Zeiten der Ruhe zu kurz kommen, oder sie fühlen sich unproduktiv an. Maria entscheidet sich bewusst dafür, innezuhalten und zuzuhören.

Damit erinnert sie uns daran, dass nicht jeder freie Moment sofort gefüllt werden muss. Wer immer nur handelt, kann aus dem Blick verlieren, wofür er all das eigentlich tut. Zuhören bedeutet nicht, dass unsere Aufgaben unwichtig sind. Es bedeutet, ihnen nicht die Macht zu geben, unser gesamtes Denken und Fühlen zu beherrschen. Manchmal besteht der wichtigste nächste Schritt darin, keinen weiteren Schritt zu machen, sondern still zu werden.

Liebe ausdrücken, ohne nach dem Nutzen zu fragen

Die Salbung Jesu wirkt auf die Umstehenden übertrieben. Das Öl ist kostbar, und aus nüchterner Sicht hätte es viele andere Verwendungsmöglichkeiten gegeben. Doch Maria tut etwas, das sich nicht in Nutzen und Effizienz ausdrücken lässt. Sie zeigt ihre Liebe und Wertschätzung, solange sie die Gelegenheit dazu hat. Jesus erkennt den Wert ihrer Handlung und schützt sie vor der Kritik der anderen.

Natürlich ist es gut, vernünftig, sparsam und effizient zu sein. Aber lassen wir dabei noch Raum für Großzügigkeit, und können wir unsere Liebe offen zum Ausdrucken bringen, ohne den Nutzen abzuwägen?  Maria ermutigt uns, Wertschätzung nicht ständig aufzuschieben. Ein liebevolles Wort, Zeit, Aufmerksamkeit oder ein besonderes Geschenk mögen nicht immer notwendig erscheinen – und können dennoch von unschätzbarem Wert sein.

Bücher über Maria von Bethanien

Ein faszinierendes Porträt der Schwestern des Lazarus. Einfühlsam und phantasievoll.

Als E-Book und Taschenbuch

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Wer war Maria von Bethanien in der Bibel?

Maria von Bethanien war die Schwester von Martha und Lazarus. Die Geschwister lebten in Bethanien nahe Jerusalem und waren eng mit Jesus befreundet. Maria ist besonders dafür bekannt, dass sie Jesus aufmerksam zuhörte und seine Füße mit kostbarem Öl salbte.

Maria wird in Lukas 10,38–42 sowie in Johannes 11 und Johannes 12,1–8 erwähnt. Diese Abschnitte erzählen von ihrem Zuhören zu Jesu Füßen, dem Tod und der Auferweckung ihres Bruders Lazarus sowie der Salbung Jesu.

Nein. Maria von Bethanien und Maria Magdalena werden in der Bibel als unterschiedliche Frauen dargestellt. Maria von Bethanien lebte mit ihren Geschwistern Martha und Lazarus in Bethanien. Maria Magdalena stammte aus Magdala, begleitete Jesus auf seinen Reisen und wurde zur ersten Zeugin seiner Auferstehung. In späteren kirchlichen Traditionen wurden verschiedene Frauen namens Maria teilweise miteinander gleichgesetzt. Eine solche Gleichsetzung wird durch die biblischen Texte jedoch nicht eindeutig gestützt.

Die Bibel bezeichnet Maria von Bethanien nicht als Sünderin. Im Lukasevangelium wird zwar von einer namenlosen Frau berichtet, die als Sünderin bezeichnet wird und Jesu Füße salbt. Der Text nennt diese Frau jedoch nicht Maria. Die Gleichsetzung mit Maria von Bethanien beruht auf einer späteren Tradition.

Maria zeigte durch die Salbung ihre Liebe und Verehrung für Jesus. Jesus selbst deutete ihre Handlung im Hinblick auf sein bevorstehendes Begräbnis. Die Salbung fand nur wenige Tage vor seiner Kreuzigung statt.

Maria hatte sich entschieden, bei Jesus zu sitzen und ihm zuzuhören. Jesus machte damit deutlich, dass die Beziehung zu ihm und das Hören auf seine Worte nicht von den vielen Sorgen und Aufgaben des Alltags verdrängt werden sollten. Er kritisierte nicht grundsätzlich Marthas Dienst, sondern ihre innere Unruhe und Überforderung.