Hanna im Alten Testament: die Mutter des Propheten Samuel

Hanna in der Bibel

Wer war Hanna?

Hanna begegnet uns im Alten Testament als die Frau Elkanas und die Mutter des Propheten Samuel. Ihre Geschichte steht am Anfang des ersten Buches Samuel und erzählt von einer Frau, die lange unter ihrer Kinderlosigkeit leidet. 

Während eines Besuchs am Heiligtum in Silo zieht Hanna sich zum Gebet zurück. Sie weint, bringt ihren ganzen Schmerz vor Gott und bittet um einen Sohn. Dabei verspricht sie, dieses Kind Gott anzuvertrauen und ihm für sein Leben zu überlassen.

Hanna bekommt tatsächlich einen Sohn und nennt ihn Samuel. Nachdem er entwöhnt ist, bringt sie ihn zu dem Priester Eli nach Silo und erfüllt damit ihr Versprechen. Samuel wächst am Heiligtum auf und wird später zu einem der bedeutendsten Propheten Israels.

Was bedeutet der Name Hanna?

Der Name Hanna – auch Hannah geschrieben – stammt aus dem Hebräischen. Er wird mit „Gnade“, „Gunst“ oder „Anmut“ übersetzt. Eine weitere mögliche Bedeutung lautet: „Gott hat sich erbarmt“.

Diese Bedeutung passt auf besondere Weise zu Hannas Geschichte. Sie erlebt sich lange als übersehen und minderwertig. Doch ihre Situation verändert sich, als sie ihren Schmerz offen ausspricht und schließlich die ersehnte Antwort auf ihr Gebet erhält.

die geschichte von Hanna in der Bibel

Hanna leidet unter ihrer Kinderlosigkeit

Hanna lebt mit ihrem Mann Elkana im Bergland von Ephraim. Während Elkanas zweite Frau Peninna mehrere Söhne und Töchter hat, bleibt Hanna kinderlos und leidet sehr darunter. In der damaligen Gesellschaft bedeutet Kinderlosigkeit für eine Frau nicht nur eine unerfüllte persönliche Sehnsucht. Kinder sichern auch ihre Stellung innerhalb der Familie und ihre Versorgung im Alter.

Jedes Jahr zieht die Familie nach Silo, um dort am Heiligtum zu beten und Opfer darzubringen. Ausgerechnet während dieser Reisen kränkt Peninna Hanna besonders. Sie erinnert sie immer wieder daran, dass sie keine Kinder hat.

Hanna leidet so sehr, dass sie weint und nichts mehr essen möchte. Elkana versucht, sie zu trösten. Er fragt sie, ob er ihr nicht mehr bedeute als zehn Söhne. Doch auch seine gut gemeinten Worte lindern ihren Schmerz nicht.

Hanna betet im Heiligtum in Silo

In Silo geht Hanna allein zum Heiligtum. Dort betet sie lange und weint. Gleichzeitig legt sie ein Gelübde ab: Sollte sie ein Kind bekommen, will sie es Gott anvertrauen und ihm für sein ganzes Leben überlassen.

Während Hanna betet, bewegt sie nur ihre Lippen. Ihre Stimme ist nicht zu hören. Der Priester Eli beobachtet sie und hält sie zunächst für betrunken. Er spricht sie tadelnd darauf an. Doch Hanna erklärt, dass sie keinen Alkohol getrunken hat. Sie sei eine tief betrübte Frau und habe aus großem Kummer ihr Herz vor Gott ausgeschüttet.

Als Eli seinen Irrtum erkennt, spricht er Hanna Frieden zu und versichert ihr, dass Gott ihre Bitte erfüllen wird.

Samuels Geburt

Nach der Rückkehr der Familie wird Hanna schwanger und bringt einen Sohn zur Welt. Sie nennt ihn Samuel, das bedeutet „von Gott erbeten“. Nachdem Samuel entwöhnt ist, reist Hanna mit ihm nach Silo, um ihr Gelübde einzulösen. Sie sucht den Priester Eli auf und erinnert ihn an ihre frühere Begegnung. Samuel soll am Heiligtum aufwachsen und unter Elis Aufsicht Gott dienen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verbindung zwischen Mutter und Sohn abbricht. Jedes Jahr fertigt Hanna für Samuel ein kleines Obergewand an und bringt es ihm bei ihrem Besuch in Silo mit. In dieser liebevollen Geste wird sichtbar, dass sie weiterhin Anteil an seinem Leben nimmt.

Hannas Lobgesang

Der biblische Bericht überliefert ein eindrucksvolles Gebet von Hanna. Ihr Lobgesang handelt von einem Gott, der menschliche Machtverhältnisse umkehrt. Die Starken können schwach werden und die Schwachen neue Kraft erhalten. Hungernde werden satt, Arme werden aus dem Staub erhoben und Menschen, die sich selbst für unangreifbar halten, verlieren ihre Macht.

Damit wird Hannas persönliches Erlebnis zu einer größeren Hoffnung umgedeutet: Leid, Ungerechtigkeit und Erniedrigung müssen nicht das letzte Wort behalten. Jahrhunderte später greift der Lobgesang Marias im Neuen Testament ähnliche Gedanken auf. Auch Maria spricht davon, dass Gott die Niedrigen erhöht und die Mächtigen von ihren Thronen stößt.

Hanna bekommt später noch drei Söhne und zwei Töchter. Samuel wächst währenddessen in Silo auf. Er wird Prophet und Richter und begleitet Israel beim Übergang von der Richterzeit zum Königtum.

Den eigenen Schmerz ehrlich aussprechen und Heilung zulassen

Was können wir heute von Hanna lernen?

Hannas Geschichte handelt von einer unerfüllten Sehnsucht, von Kränkung und von einem Gebet, das erhört wird. Sie darf jedoch nicht als einfache Formel verstanden werden: Wer nur intensiv genug betet, bekommt am Ende zwangsläufig das, worum er bittet.

Nicht jede Sehnsucht erfüllt sich so, wie es bei Hanna geschieht. Trotzdem zeigt ihre Geschichte einen möglichen Umgang mit Situationen, die wir nicht kontrollieren können.

Unseren Schmerz nicht kleinreden

Hanna leidet, und sie versteckt es nicht. Sie weint, kann zeitweise nicht essen und bringt ihre Not offen zur Sprache. Auch Elkanas Zuneigung nimmt Hanna ihren Schmerz nicht. Seine Frage, ob er ihr nicht mehr bedeute als zehn Söhne, verfehlt das eigentliche Problem. Hanna liebt ihren Mann – und leidet trotzdem darunter, kein Kind zu haben. Manche schmerzvollen Erfahrungen lassen sich nicht durch gut gemeinte Sätze auflösen.

Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass Dankbarkeit und Trauer keine Gegensätze sein müssen. Wir können das Gute in unserem Leben sehen und dennoch um etwas trauern, das uns fehlt.

Im Heiligtum findet Hanna einen Ort, an dem sie nichts erklären, beschönigen oder relativieren muss. Sie schüttet ihr Herz aus. Auch heute kann es entlastend sein, dem eigenen Schmerz in Worte zu kleiden – im Gebet, in einem Gespräch oder zunächst nur für uns selbst.

Äußeres Verhalten kann leicht missverstanden werden

Als Eli Hanna sieht, beurteilt er ihre Situation vollkommen falsch. Er hält ihr stilles Gebet für Trunkenheit und spricht sie entsprechend schroff an. Hanna hätte schweigen, sich schämen oder enttäuscht weggehen können. Doch sie steht für sich ein. Sie erklärt ruhig und klar, was tatsächlich mit ihr los ist. Das Urteil eines anderen Menschen verändert nicht die Wahrheit ihrer Situation.

Damit macht ihre Geschichte auch auf die Grenzen menschlicher Urteile aufmerksam. Selbst ein Priester erkennt nicht automatisch, was in einem Menschen vorgeht. Äußeres Verhalten kann leicht missverstanden werden.

Damit lädt Hannas Geschichte auch dazu ein, mit eigenen Bewertungen vorsichtig zu sein. Wir sehen oft nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines Menschen. Hinter einem Verhalten, das uns irritiert, kann eine Geschichte stehen, von der wir nichts wissen.

Heilung zulassen

Nachdem Hanna gebetet und mit Eli gesprochen hat, geht sie zurück und isst wieder. Die Bibel erzählt ausdrücklich, dass ihr Gesicht nicht länger traurig aussieht. Noch hat sich nichts verändert. Sie ist noch nicht schwanger. Trotzdem verändert sich etwas in ihr. Sie fängt an zu heilen.

Auch wir erleben Situationen, in denen es keine schnelle Lösung gibt. Vielleicht werden wir das, was wir uns wünschen, überhaupt nicht bekommen. Und trotzdem ist Heilung möglich. Trotzdem kann es ein erster Schritt sein, wieder zu essen, zu schlafen, den Alltag aufzunehmen und weiterzugehen.

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Wer war Hanna in der Bibel?

Hanna war die Frau Elkanas und die Mutter des Propheten Samuel. Nachdem sie lange kinderlos geblieben war, betete sie in Silo um einen Sohn. Später brachte sie Samuel zum Heiligtum, wo er unter der Aufsicht des Priesters Eli aufwuchs.

Hannas Geschichte steht im ersten Buch Samuel. Die wichtigsten Abschnitte sind:

 

Samuel 1,1–8: Hannas Kinderlosigkeit und ihre Konflikte mit Peninna

Samuel 1,9–18: Hannas Gebet im Heiligtum von Silo

Samuel 1,19–28: Samuels Geburt und seine Übergabe an Eli

Samuel 2,1–10: der Lobgesang der Hanna

Samuel 2,18–21: Hannas jährliche Besuche und ihre weiteren Kinder

Der Name Hanna stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Gnade“, „Gunst“ oder „Anmut“. Eine weitere mögliche Übersetzung lautet „Gott hat sich erbarmt“. Die Schreibweisen Hanna, Anna und Hannah gehen auf denselben Namen zurück.

Hanna litt darunter, dass sie keine Kinder bekommen konnte. Zusätzlich wurde sie von Peninna, der anderen Frau ihres Mannes, immer wieder deshalb gekränkt. In der damaligen Gesellschaft war Kinderlosigkeit außerdem mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachteilen verbunden.

Hanna versprach, einen Sohn, den sie bekommen würde, Gott für sein ganzes Leben zu überlassen. Nachdem Samuel entwöhnt war, brachte sie ihn deshalb zum Heiligtum nach Silo, wo er unter der Aufsicht des Priesters Eli aufwuchs.

Die Bibel nennt kein genaues Alter. Sie berichtet lediglich, dass Hanna Samuel nach Silo brachte, nachdem er entwöhnt war. Er war zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Kind.

Neben Samuel bekam Hanna später noch drei Söhne und zwei Töchter. Insgesamt berichtet die Bibel damit von sechs Kindern Hannas.

Nein. Die Mutter Samuels lebte zur Zeit des Alten Testaments. Die Prophetin Hanna wird im Neuen Testament im Lukasevangelium erwähnt. Sie ist eine alte Witwe, die sich häufig im Tempel aufhält und Jesus kurz nach seiner Geburt als besonderes Kind erkennt.

Hannas Gebet in 1. Samuel 2 spricht davon, dass Gott menschliche Verhältnisse umkehren kann: Schwache werden gestärkt, Hungrige werden satt und Arme werden erhöht. Ähnliche Gedanken finden sich später im Lobgesang Marias, dem Magnificat, in Lukas 1.